Arielle, die Schlange und Ray Charles

Arielle, die  Schlange und Ray Charles | 2009 | durational performance (24h)

KIA-Marathon 265

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein 20-minütiges Stück, welches sich mit inszenierter Wirklichkeit beschäftigt. 48-mal hintereinander gespielt. Für je eine Person.

 

Liebe Arielle, Lieber Ray, Liebe Schlange,

Ich bin gerade nach Hause gekommen. Ich hab gerade schon auf dem Fahrrad
überlegt ob ich euch schreibe oder nicht. Aber ich will es machen.

So wie ich mich jetzt fühle hab ich mich glaub ich noch nie oder nur
ganz, ganz früher mal gefühlt. Ich weiß nicht was ihr mit mir gemacht
habt aber ihr habt was mit mir gemacht.

Was ist Wirklichkeit?! Vielleicht sind überall in unseren Wohnungen
Bären, die sich verstecken und nur heute hat sich einer mal getraut
durchs Bild zu laufen.
In Geeskes Wohnung hab ich mich teilweise unwohl aber auch wohl gefühlt.
Wenn ihr über mich aber nicht mir geredet habt. Ich wusste zwar das ich
mitreden hätte können aber ich konnte und wollte nicht.

Es war komisch, ich wollte weinen, aber ich konnte es nicht. Nicht, dass
ich es versucht hab nicht zu tun, aber ich konnte es nicht. Und ich
wusste nicht warum ich es wollte. Ich war nicht traurig, ich war nicht
freudig. Es war einfach so als würdet ihr mir für eine halbe Stunde
zeigen wie das Leben wirklich ist.

Und jetzt frage ich mich, ob das was ich schreibe nicht totaler unfug ist…

Auf dem Fahrrad und jetzt, fühl ich mich ganz leer, nicht übermütig,
traurig, freudig, gelangweilt – sondern neutral. Und doch auch nicht,
denn ich bin sehr bewegt.

Am Schlimmsten war die Türklingel, die auch viel zu zeitig war, es war
noch nicht um 11, und doch wars zuende. Als ich dann wieder mit Sarah in
der Küche war, wollte ich eigentlich bleiben. Aber ich hab es nicht
getan – ich hätte das Wasser von Geeske ganz austrinken sollen, dann wär
ich geblieben.

Bis später!

Philipp

 

KIA-Marathon 125