Fragmentierte Gedanken zu den intermedialen Arbeiten von Geeske Janßen.
Eine Textassemblage von Alba D`Urbano und Angelika Waniek.
2015
- Fragment: Haare
Wie ein Scanner bewegt sich der Lichtstrahl über den unbekannten Gegenstand, langsam, fast mechanisch. In seiner Bewegung macht er die Formen eines Körpers, die Materialität einer Oberfläche sichtbar. Über den Träger liefert er uns keine Informationen. Nicht das dargestellte Objekt, sondern der abtastende Strahl steht im Bild-Fokus. Im Bild fixiert die Momentaufnahme einen Augenblick dieser Exploration. „Close up“ und Dunkelheit schneiden die Informationen aus dem Bild heraus, die für uns notwendig wären, um das Objekt zu identifizieren, um uns ein Gesamtbild der Situation zu verschaffen.
Nur das Wort, der Titel „Bauernhof“ gibt uns eine Richtung in der Suche: keine Luxus-Wohnung, kein Teppich, kein Pelz stehen im Verborgenen, sondern ein „Bauernhof“, ein Tier, vielleicht lebendig. Und Haare. Haare, die in den Makro-Aufnahmen von der Bilderserie „Eine Ecke Erotik“ zu grafischen Elementen werden, während sie der menschlichen Haut isoliert entspringen. Haare, die im Bild-Stoff, im Material verwandelt werden, um Abstraktionsformen zu entwerfen in „Adam“. Haare auf den „Talking Heads“ der Portraits der „Goldene Regel“-Paare und vielleicht auf dem Sofa der „Glaubensorte“.
Kennen Sie Gelee, und Rillen die ein Messer darauf hinterläßt? An einem Ofen sitzend, der jetzt da es Sommer und warm, nicht an ist, schliesse ich die Augen. Auf dem Tisch in der Stube liegt eine Tischdecke, an den Ecken wirft sie Falten in denen ganze Hände verschwinden könnten. Ich erinnere mich an die Geschichten der Älteren über die Anstrengung die es mit sich brachte im Herbst Kartoffeln auf den Feldern, anfangs mit der Forke und später mit einem Kartoffelroder aus der Erde zu lockern um sie dann mit den Händen in einem Korb zu sammeln.
- Fragment: Spuren
Wie Haare – filigran, fragil – wirken die vertrockneten Grasstücke, verstreut auf dem Boden. An eine Action-Painting-Malerei assoziierend dominieren sie den unteren Bildteil des zweiten Bildes der Serie „Bauernhof“, im Kot und Schneematsch eingekeilt schräge Streifen, wie Kratzer auf der Bildoberfläche. Grafische Elemente, die dem Bild eine Richtung geben, unscharf im oberen Bildteil. Spuren eines stattgefundenen Vor-Gangs im „Bauerhof“ werden zu Abdrücken von kantigen Gegenständen auf der Haut in „Eine Ecke Erotik“ und verwandeln sich in Falten in dem Nahaufnahme-Portrait des Vaters in der „Vater-Tochter“ Bildserie.
- Fragment: Beziehungen
Grafisch und großspurig durchquert die Falte im Vatergesicht die Fotografie, wie ein Haar auf dem Bild; großporig und reflektierend ist die Haut dargestellt in der Nahaufnahme. Eingefasst in der Pose, festgehalten durch die gestochene Schärfe der Fotografie, wirkt der Blick des Vaters verletzlich und verletzt durch die Zeit. Ungreifbar die Tochter, flüchtig oder flüchtend in der Bewegung, lässt sie sich von der Unschärfe umhüllen. Keine(r) der zwei Portraitierenden schaut in die Kamera, kein Dialog wird mit dem Fotografen aufgenommen. Während der Vater den Blick in Richtung der leeren Bildfläche richtet, schaut die Tochter außerhalb des Bildausschnittes in die entgegengesetzte Richtung, quasi im Begriff die Bildoberfläche zu verlassen. Kein Dialog zwischen den Akteuren. Direkt in die Kamera gerichtet sind dagegen die Augen der interviewten Personen in der Arbeit „Die Goldene Regel“. In frontalen, fotografischen, eng geschnittenen Aufnahmen nehmen die vier Personen direkt Kontakt auf mit dem Fotografen – in vertrauter Nähe – und somit mit dem Betrachter: freundlich. Sie erfordern die Nähe des betrachtenden Körpers, vis-à-vis, auf Distanz wären die handgeschriebenen Texte unlesbar. Sie beziehen sich auf Beziehungen und nehmen damit Bezug zu dem Betrachter auf: performativ, körperlich, gelegentlich mit „Eine(r) Ecke(n) Erotik“.
Ein Paar sitzt auf einer Parkbank und zerreißt Papier. Sie formt das zerissene Papier zu Kügelchen, er wirft die Kugeln den Vögeln hin. Die Vögel, es sind Pariser Tauben, beachten die Papierkugeln nicht. Vielleicht denken sie ist es Schnee. Rhythmisch fallender Schnee der alles bedeckt und nur die Konturen der Körper und Dinge in Erscheinung treten läßt.
- Fragment: Spiel
Die Beziehung Mutter-Tochter wird durch das Spiel mit der Collage in der Arbeit „XX“ zu einem großflächigen Bildgeflecht. Die Ausschnitthaftigkeit des fotografischen Blickes und die perspektivischen Deformationen der Linse werden verwendet um die Komplexität eines dichten, engen Beziehungsgewebes zu visualisieren. Dekorativ und anagrammatisch wirkt das Spiel mit der Zersplitterung und Multiplikation der zwei Körper, die sich wieder zusammen in kaleidoskopischen Formationen komponieren lassen. Zu erahnen ist die ursprüngliche embryonale Haltung der zwei Körper in einem bodenlosen Raum, im freien Fall und schwerelos wie die diffuse Gestalt des nackten Körpers, die sich im Bild „Sprung“ hinter der durchsichtigen Maler-Folie erahnen lässt: ambivalent die Bewegung, unklar das Geschlecht, unsicher die Richtung: vielleicht ein Sprung ins kalte Wasser?
Das Wort dünnhäutig, kommt mir in den Sinn. Und ich erinnere mich an das Bild das sich bei diesem Wort in mir auftut: Ein Elefanten, dem, balancierten auf einem Bein, zwei dicke Tränen aus den Augenwinkel schlüpfen. Die eine Träne etwas dicker und dementsprechend schneller auf der einen Seite hinabrollend als die andere.
- Fragment: Narration
Schwebend zwischen einem Vorher und einem Nachher, dessen Ursprung im Verborgen liegt lässt uns „Sprung“ eine Geschichte erahnen, die abstrakt und undeutlich bleiben will: nur der Titel verrät uns die Handlung, aber nicht die Richtung der Zeit, oder der Bewegung. Erzählungen unterschiedlicher Art verbinden die Bilder, die Videos und die Performances von Geeske Janßen. Die einzelnen Kunstwerke visualisieren Momente innerhalb einer komplexen, vielschichtigen Narration. In der Märchenwelt von „Adam“ befinden sich vielleicht die gleichen Akteure, die im „Jugendzimmer“ agieren, und die „Glaubensorte“ der evangelischen Pastoren befinden sich möglicherweise nebenan: das Sofa und die Stehlampe, das Neonlicht und die Werkstatt, die Kerze und der Laminattisch, der Meereshorizont. Die Glaubensorte sind menschenleer, gefärbt sind die Fotos durch das Licht der jeweiligen Beleuchtungsmittel, ohne jegliche Filterkorrektur sind sie Zeugen eines nicht darstellbaren menschlichen psychischen Zustands.
Vor einem Laden steht eine Frau, sie beugt sich über die Orangen, nimmt jede einzelne in die Hand und unterzieht sie einer Prüfung, die mir nicht ganz einleuchtend erscheint. Sie dreht und wendet die Orangen und hält sie dann in die Sonne. Daneben ein Bild mit gelben Zitronen in einer blauen Plastikschale. Daneben ein weiteres Bild, ein Mann mit einer Schürze um den Bauch. Die Hemdsärmel nach oben gekrempelt. Und immerzu kauend steht er von Zeit zu Zeit auf, nimmt eine Sprühflasche und besprüht das Obst mit Wasser.
- Fragment: Märchenwelten
Im Mittelpunkt steht das unsichtbare zwischenmenschliche Kommunikationsgefüge. Die sichtbaren, akustischen und visuellen Fragmente sind Dokumente von Stattgefundenem, Nachweise einer Recherche, die die unmittelbare Umgebung der Künstlerin spielerisch ins Licht rückt und in Szene setzt. Die dokumentierenden Spuren der Recherche werden zu Versatzstücke eines unerfahrbaren „Theatrum Mundi“, die uns Geeske Jansen nur fragmentarisch wahrnehmen lässt, wie es in der installativen Performance „Jugendzimmer“ der Fall ist. Ein märchenhaftes Theater, in dem sie als Akteurin auftritt, dem Betrachter die Position des Voyeurs überlässt. Wie Alice saugt sie die Besucher ihrer künstlerischen Inszenierungen in Wunder-länder hinein, die einen traumähnlichen Charakter haben. Gelegentlich bietet sie ihnen die Möglichkeit im Spiel mitzumachen, aktiv an der Kommunikation teilzunehmen, wie in ihrer performativen Installation „Zuckerwatte, Fuchs und Spiegelei“.
Herr Petzold war mit mit einer Kröte verheiratet. Sie eroberte in dem Moment sein Herz als er von der Tischdecke aufblickte, nachdem er die dort stehende Teetasse an sich genommen hatte und den hellbraunen Ring den die Tasse hinterließ entdeckte. Sich selbst noch fragend warum er gern an Orte ging und an andere nicht, sah er die Kröte. Der Käfer faltete seine eben zu lesen begonnene Zeitung zusammen und rückte seine Brille zurecht die er im Handumdrehen zu einem Mikroskop und in einer entgegengestzten Bewegung zu einem Fernglas umfunktioneren konnte. Er beugte sich zu seiner Zuhörerschaft „Durchsichtigkeit“ sprach er , „ist eine tragende Eigenschaft von Dingen die der Zerbrechlickheit ausgesetzt sind.
- Fragment: Medium
Mitsprache, Mitrede und Kommunikation sind nicht nur wichtige Elemente im performativen Output der Arbeiten von Geeske Jansen, sie sind ein wesentlicher Aspekt ihres partizipatorischen Ansatzes im Prozess der Herstellung ihrer intermedialen Arbeiten, wie es in der Installation „Bauernhof“ der Fall ist. Für diese Installation hat sie Familien die von der Landwirtschaft leben eine Reihe von Fragen gestellt und diese als Audiofragment in der Installation integriert. Partizipatorisch agiert die Künstlerin fast in allen ihren intermedialen Arbeiten, wie z. B. in ihren Fotoserien „eine Ecke Erotik“, oder in „XX“, oder auch in „Glaubesorte“ oder in „Die Goldene Regel“: Vater, Mutter, Freunde, Bekannte, alle machen mit... . Sie ist das „Medium“, das Bilder, Töne, Textausschnitte, in einem Gesamtbild, in ein Panorama verwandelt, der ausschnitthaft für uns von mal zu mal beleuchtet wird... Wie ein Scanner bewegt sich der Lichtstrahl über den unbekannten Gegenstand, langsam, fast mechanisch auf der Suche nach...
Gehen Sie zu Menü. Drücken Sie Exit. Dann zu Filteroptionen. Drücken Sie wieder Exit. Und dann beim Auswahlrad zu Warmth. Herzlichkeit, so einer der Janßen`schen Filter.
Fragmentierte Gedanken zu den intermedialen Arbeiten von Geeske Janßen.
Eine Textassemblage von Alba D`Urbano und Angelika Waniek.
2015
- Fragment: Haare
Wie ein Scanner bewegt sich der Lichtstrahl über den unbekannten Gegenstand, langsam, fast mechanisch. In seiner Bewegung macht er die Formen eines Körpers, die Materialität einer Oberfläche sichtbar. Über den Träger liefert er uns keine Informationen. Nicht das dargestellte Objekt, sondern der abtastende Strahl steht im Bild-Fokus. Im Bild fixiert die Momentaufnahme einen Augenblick dieser Exploration. „Close up“ und Dunkelheit schneiden die Informationen aus dem Bild heraus, die für uns notwendig wären, um das Objekt zu identifizieren, um uns ein Gesamtbild der Situation zu verschaffen.
Nur das Wort, der Titel „Bauernhof“ gibt uns eine Richtung in der Suche: keine Luxus-Wohnung, kein Teppich, kein Pelz stehen im Verborgenen, sondern ein „Bauernhof“, ein Tier, vielleicht lebendig. Und Haare. Haare, die in den Makro-Aufnahmen von der Bilderserie „Eine Ecke Erotik“ zu grafischen Elementen werden, während sie der menschlichen Haut isoliert entspringen. Haare, die im Bild-Stoff, im Material verwandelt werden, um Abstraktionsformen zu entwerfen in „Adam“. Haare auf den „Talking Heads“ der Portraits der „Goldene Regel“-Paare und vielleicht auf dem Sofa der „Glaubensorte“.
Kennen Sie Gelee, und Rillen die ein Messer darauf hinterläßt? An einem Ofen sitzend, der jetzt da es Sommer und warm, nicht an ist, schliesse ich die Augen. Auf dem Tisch in der Stube liegt eine Tischdecke, an den Ecken wirft sie Falten in denen ganze Hände verschwinden könnten. Ich erinnere mich an die Geschichten der Älteren über die Anstrengung die es mit sich brachte im Herbst Kartoffeln auf den Feldern, anfangs mit der Forke und später mit einem Kartoffelroder aus der Erde zu lockern um sie dann mit den Händen in einem Korb zu sammeln.
- Fragment: Spuren
Wie Haare – filigran, fragil – wirken die vertrockneten Grasstücke, verstreut auf dem Boden. An eine Action-Painting-Malerei assoziierend dominieren sie den unteren Bildteil des zweiten Bildes der Serie „Bauernhof“, im Kot und Schneematsch eingekeilt schräge Streifen, wie Kratzer auf der Bildoberfläche. Grafische Elemente, die dem Bild eine Richtung geben, unscharf im oberen Bildteil. Spuren eines stattgefundenen Vor-Gangs im „Bauerhof“ werden zu Abdrücken von kantigen Gegenständen auf der Haut in „Eine Ecke Erotik“ und verwandeln sich in Falten in dem Nahaufnahme-Portrait des Vaters in der „Vater-Tochter“ Bildserie.
- Fragment: Beziehungen
Grafisch und großspurig durchquert die Falte im Vatergesicht die Fotografie, wie ein Haar auf dem Bild; großporig und reflektierend ist die Haut dargestellt in der Nahaufnahme. Eingefasst in der Pose, festgehalten durch die gestochene Schärfe der Fotografie, wirkt der Blick des Vaters verletzlich und verletzt durch die Zeit. Ungreifbar die Tochter, flüchtig oder flüchtend in der Bewegung, lässt sie sich von der Unschärfe umhüllen. Keine(r) der zwei Portraitierenden schaut in die Kamera, kein Dialog wird mit dem Fotografen aufgenommen. Während der Vater den Blick in Richtung der leeren Bildfläche richtet, schaut die Tochter außerhalb des Bildausschnittes in die entgegengesetzte Richtung, quasi im Begriff die Bildoberfläche zu verlassen. Kein Dialog zwischen den Akteuren. Direkt in die Kamera gerichtet sind dagegen die Augen der interviewten Personen in der Arbeit „Die Goldene Regel“. In frontalen, fotografischen, eng geschnittenen Aufnahmen nehmen die vier Personen direkt Kontakt auf mit dem Fotografen – in vertrauter Nähe – und somit mit dem Betrachter: freundlich. Sie erfordern die Nähe des betrachtenden Körpers, vis-à-vis, auf Distanz wären die handgeschriebenen Texte unlesbar. Sie beziehen sich auf Beziehungen und nehmen damit Bezug zu dem Betrachter auf: performativ, körperlich, gelegentlich mit „Eine(r) Ecke(n) Erotik“.
Ein Paar sitzt auf einer Parkbank und zerreißt Papier. Sie formt das zerissene Papier zu Kügelchen, er wirft die Kugeln den Vögeln hin. Die Vögel, es sind Pariser Tauben, beachten die Papierkugeln nicht. Vielleicht denken sie ist es Schnee. Rhythmisch fallender Schnee der alles bedeckt und nur die Konturen der Körper und Dinge in Erscheinung treten läßt.
- Fragment: Spiel
Die Beziehung Mutter-Tochter wird durch das Spiel mit der Collage in der Arbeit „XX“ zu einem großflächigen Bildgeflecht. Die Ausschnitthaftigkeit des fotografischen Blickes und die perspektivischen Deformationen der Linse werden verwendet um die Komplexität eines dichten, engen Beziehungsgewebes zu visualisieren. Dekorativ und anagrammatisch wirkt das Spiel mit der Zersplitterung und Multiplikation der zwei Körper, die sich wieder zusammen in kaleidoskopischen Formationen komponieren lassen. Zu erahnen ist die ursprüngliche embryonale Haltung der zwei Körper in einem bodenlosen Raum, im freien Fall und schwerelos wie die diffuse Gestalt des nackten Körpers, die sich im Bild „Sprung“ hinter der durchsichtigen Maler-Folie erahnen lässt: ambivalent die Bewegung, unklar das Geschlecht, unsicher die Richtung: vielleicht ein Sprung ins kalte Wasser?
Das Wort dünnhäutig, kommt mir in den Sinn. Und ich erinnere mich an das Bild das sich bei diesem Wort in mir auftut: Ein Elefanten, dem, balancierten auf einem Bein, zwei dicke Tränen aus den Augenwinkel schlüpfen. Die eine Träne etwas dicker und dementsprechend schneller auf der einen Seite hinabrollend als die andere.
- Fragment: Narration
Schwebend zwischen einem Vorher und einem Nachher, dessen Ursprung im Verborgen liegt lässt uns „Sprung“ eine Geschichte erahnen, die abstrakt und undeutlich bleiben will: nur der Titel verrät uns die Handlung, aber nicht die Richtung der Zeit, oder der Bewegung. Erzählungen unterschiedlicher Art verbinden die Bilder, die Videos und die Performances von Geeske Janßen. Die einzelnen Kunstwerke visualisieren Momente innerhalb einer komplexen, vielschichtigen Narration. In der Märchenwelt von „Adam“ befinden sich vielleicht die gleichen Akteure, die im „Jugendzimmer“ agieren, und die „Glaubensorte“ der evangelischen Pastoren befinden sich möglicherweise nebenan: das Sofa und die Stehlampe, das Neonlicht und die Werkstatt, die Kerze und der Laminattisch, der Meereshorizont. Die Glaubensorte sind menschenleer, gefärbt sind die Fotos durch das Licht der jeweiligen Beleuchtungsmittel, ohne jegliche Filterkorrektur sind sie Zeugen eines nicht darstellbaren menschlichen psychischen Zustands.
Vor einem Laden steht eine Frau, sie beugt sich über die Orangen, nimmt jede einzelne in die Hand und unterzieht sie einer Prüfung, die mir nicht ganz einleuchtend erscheint. Sie dreht und wendet die Orangen und hält sie dann in die Sonne. Daneben ein Bild mit gelben Zitronen in einer blauen Plastikschale. Daneben ein weiteres Bild, ein Mann mit einer Schürze um den Bauch. Die Hemdsärmel nach oben gekrempelt. Und immerzu kauend steht er von Zeit zu Zeit auf, nimmt eine Sprühflasche und besprüht das Obst mit Wasser.
- Fragment: Märchenwelten
Im Mittelpunkt steht das unsichtbare zwischenmenschliche Kommunikationsgefüge. Die sichtbaren, akustischen und visuellen Fragmente sind Dokumente von Stattgefundenem, Nachweise einer Recherche, die die unmittelbare Umgebung der Künstlerin spielerisch ins Licht rückt und in Szene setzt. Die dokumentierenden Spuren der Recherche werden zu Versatzstücke eines unerfahrbaren „Theatrum Mundi“, die uns Geeske Jansen nur fragmentarisch wahrnehmen lässt, wie es in der installativen Performance „Jugendzimmer“ der Fall ist. Ein märchenhaftes Theater, in dem sie als Akteurin auftritt, dem Betrachter die Position des Voyeurs überlässt. Wie Alice saugt sie die Besucher ihrer künstlerischen Inszenierungen in Wunder-länder hinein, die einen traumähnlichen Charakter haben. Gelegentlich bietet sie ihnen die Möglichkeit im Spiel mitzumachen, aktiv an der Kommunikation teilzunehmen, wie in ihrer performativen Installation „Zuckerwatte, Fuchs und Spiegelei“.
Herr Petzold war mit mit einer Kröte verheiratet. Sie eroberte in dem Moment sein Herz als er von der Tischdecke aufblickte, nachdem er die dort stehende Teetasse an sich genommen hatte und den hellbraunen Ring den die Tasse hinterließ entdeckte. Sich selbst noch fragend warum er gern an Orte ging und an andere nicht, sah er die Kröte. Der Käfer faltete seine eben zu lesen begonnene Zeitung zusammen und rückte seine Brille zurecht die er im Handumdrehen zu einem Mikroskop und in einer entgegengestzten Bewegung zu einem Fernglas umfunktioneren konnte. Er beugte sich zu seiner Zuhörerschaft „Durchsichtigkeit“ sprach er , „ist eine tragende Eigenschaft von Dingen die der Zerbrechlickheit ausgesetzt sind.
- Fragment: Medium
Mitsprache, Mitrede und Kommunikation sind nicht nur wichtige Elemente im performativen Output der Arbeiten von Geeske Jansen, sie sind ein wesentlicher Aspekt ihres partizipatorischen Ansatzes im Prozess der Herstellung ihrer intermedialen Arbeiten, wie es in der Installation „Bauernhof“ der Fall ist. Für diese Installation hat sie Familien die von der Landwirtschaft leben eine Reihe von Fragen gestellt und diese als Audiofragment in der Installation integriert. Partizipatorisch agiert die Künstlerin fast in allen ihren intermedialen Arbeiten, wie z. B. in ihren Fotoserien „eine Ecke Erotik“, oder in „XX“, oder auch in „Glaubesorte“ oder in „Die Goldene Regel“: Vater, Mutter, Freunde, Bekannte, alle machen mit... . Sie ist das „Medium“, das Bilder, Töne, Textausschnitte, in einem Gesamtbild, in ein Panorama verwandelt, der ausschnitthaft für uns von mal zu mal beleuchtet wird... Wie ein Scanner bewegt sich der Lichtstrahl über den unbekannten Gegenstand, langsam, fast mechanisch auf der Suche nach...
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